Seit September 2010 überbrückt ein neuer Steg den Wienfluss und die U-Bahn-Trasse der U4. Er verbindet die Astgasse im 14. mit der Fleschgasse im 13. Wiener Gemeindebezirk. Fußgängern bietet er einen barrierefreien Übergang, Fahrradfahrern zusätzlich eine Anbindung an den Wienfluss-Radweg.
Der Entwurf für den Steg stammt von Rudolf Brandstötter und Gonzalo Espinosa Ortega. Die beiden erreichten mit ihrem Beitrag Link 27 den 1. Platz bei der Student Concrete Trophy 2007. In der Begründung der Jury heißt es: „Der eigenständige Entwurf reagiert auf den Ort sehr angemessen mit einer eleganten Lösung. Sowohl eine zeichenhafte Wirkung als auch eine harmonische Einbindung in die Umgebung wird erzielt.“ Um die Erhaltungskosten gering zu halten, wurde das Bauwerk als „integrale Brücke“ konzipiert, d.h. es kommt ohne Lager und Fugen zwischen den Tragwerksteilen aus.
Montage im Zeitfenster
Die Umsetzung des Entwurfes erforderte auch vom ALPINE-Projektteam einiges an Kreativität. So wurden etwa die Spannbetonelemente für das asymmetrische Tragwerk trotz der beengten Platzverhältnisse direkt vor Ort hergestellt. Auf einem rund 45 x 10 m großen Schaltisch. Mitten in Wien.
Nach Fertigstellung wurden die rund 40 m langen Träger von einem Kran in Position gebracht. Zuvor mussten diese allerdings noch aus der Schalung gehoben und in der Luft gedreht werden, was nur mithilfe zweier weiterer Kräne bewerkstelligt werden konnte. All das gelang in gerade einmal vier Stunden. Den Takt gaben dabei nicht nur die U-Bahn-Betriebszeiten vor, sondern auch das Wetter: Die Kräne mussten im Flussbett der Wien, die bei Regen starken Pegelschwankungen unterliegt, aufgestellt werden. Die Planung der Montage erforderte also zusätzlich eine enge Abstimmung mit der ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik).
Das perfekte Weiß
Seine besondere Ästhetik erhält der neue Steg aber vor allem durch seine strahlend weiße Farbe. Sie verleiht dem Bauwerk Leichtigkeit und Dynamik, leuchtet aus dem sonst eher grauen Stadtbild hervor. Doch gerade die Farbe stellte hohe Anforderungen an das ALPINE-Team. „Weißzement ist schwieriger zu verarbeiten als herkömmlicher Zement.“, erzählt Bauleiter Martin Ofenböck. „Außerdem zeigte sich bei vorab gefertigten Betonprobefeldern, dass die gewünschten Farbeffekte nicht allein durch die Zugabe von Weißzement erzielt werden konnten.“
Nach intensiver Recherche und Gesprächen mit Lieferanten und dem VÖZ (Verein der Österreichischen Zementindustrie) gelang schließlich die perfekte Mischung aus Beton, Weißzement und zusätzlichen Farbpigmenten. Um eine homogene Farbqualität zu erreichen, wurden die Tragwerksteile gleichzeitig produziert. Dabei wurde auf eine absolut saubere Schalung geachtet, um jegliche Verunreinigung des weißen Betons zu vermeiden.
Es mussten also einige Herausforderungen gemeistert werden, bevor der Steg seinen weißen Bogen über den Wienfluss spannen konnte. Dass diese Leistungen am 6. April 2011 in Wien mit dem SOLID Bautech Preis 2011 gewürdigt wurden, ist eine schöne Bestätigung für das engagierte ALPINE-Projektteam.
Bildergalerie „Steg Astgasse“
>> Link 27 – der Wettbewerbsbeitrag
>> SOLID Bautech Preis 2011 – Die Gewinner











