Es ist ein Erdwall, der Ihre Körpergrösse um das mindestens 200-fache überragt. Ein Umgehen des Hindernisses scheint unmöglich, rechts und links verlaufen die Erdwälle bis ins Unendliche. Die Atemluft wird Ihnen durch den Gestank von Abgasen abgeschnürt und ohrenbetäubender Lärm läßt Sie erstarren. Auf diesem vor Ihnen stehenden Hindernis, das von einem schwarz beschichteten Plateau bedeckt wird, rasen riesige Blechgebilde, ungefähr in Höhe eines Wolkenkratzers in atemberaubender Geschwindigkeit an Ihnen vorüber. Der Versuch, Ihre Artgenossen auf der anderen Seite des Hindernisses mit lautem Geschrei zu erreichen, verebbt schlagartig im Lärm.
So geht es jedes Jahr Millionen von Amphibien, die vom Winterquartier zu den Laichgewässern oder in ihre Sommerlebensräume wandern wollen. Zur Gattung der Amphibien zählen Frösche, Kröten, Molche und Salamander – ihr idealer Lebensraum ist eine strukturreiche, naturnahe Landschaft mit vielfältigen kleinräumigen Lebensräumen, wie Gewässern, Wiesen, Hecken, Waldstücken und Feuchtflächen. Immer mehr Verkehrswege zerschneiden die Wanderroute der Amphibien. Straßen sind die gefährlichsten Barrieren für die Tiere, durch den jährlichen Ausfall im Straßenverkehr sind viele Amphibienpopulationen vom Aussterben bedroht. Eine Möglichkeit die wandernden Tiere dauerhaft zu schützen sind die Errichtung von Tunnel-Leit-Anlagen – diese bestehen aus Durchlässen und den verbindenden Leitelementen. Sie ermöglichen den Tieren eine sichere Unterquerung der Fahrbahn. Laut Mag. Dr. Manfred Pintar, Amphibienschutzexperte an der Universität für Bodenkultur in Wien, „kann so das Überleben von 70-90% der Amphibien gesichert werden“. Dauerhafte Schutzanlagen haben den Vorteil, auch die Jungtierwanderung und die Herbstwanderung der Amphibien sowie andere wandernde Kleintiere zu schützen. Die Tiere sind bei ihren Wanderungen sehr zielstrebig und versuchen den kürzesten Weg zu benutzen, sie lassen sich ungern „umleiten“. Deshalb müssen die Wanderrouten der Amphibien genau beobachtet und die Tunnel-Leit-Anlagen sorgfältig geplant werden. Beim Bau des PPP Projekt Y in Niederösterreich wurden 30-50km Amphibienschutzeinrichtungen errichtet.
Bildquelle: Arge NATURSCHUTZ
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